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Folks, I'm Krok.
I've been approached by Tempo -
you know what that is?
one of those glossy magazines!
They wanted me to make up wierd stories for them.
Examples of charmed lives, as they call it.
Kitschy crap, like fucked-up Yuppies love to swallow
between a few hours at the stock exchange and a shrimp cocktail.

They did a bit of foot-work,
sticking their noses in my story,
pestering the Professor with questions ...

They wanted to turn my story into a tear-jerker,
with Krok as victim of irresponsable, perverted research ...

They picked me up directly from prison and
expected me to be immediately available for my first interview.
I refused.

What will you do now
that you've just come out of the high-security wing?
Have you thought over our offer?
Today's photo session is at ...
Have you been told that you were created in a test-tube?
From a hodgepodge of genetic matter ...
How does it feel to learn that you are a victim of ...

And so on.
I left them standing there.
I was in a hurry to see my Good God, my creator at the Institute.

"Didn't they tell you you originated
from a hodgepodge of genetic matter?"

Bunch of clowns.

They really believed that the accidents
which brought them into the world --
that overblown lust of a man for whatever female --
was not a hodgepodge,
but rather fate, chance, Nature per se.

I'm Krok, folks!

I'm the fruit of the passion of a bold inquiring spirit,
created in Europe's most modern laboratory
under the best possible conditions.
Krok comes from crossing a chimpanzee
with a daisy
and the odd batch of crocodile chromosomes.


kapitel 04 des romans: zcirkusDERwünsche / © krok & petschinka

Die älteste Notiz über krok steht auf dem arg beschädigten Bruchstück einer gebrannten Tontafel : 17,8 cm lang und 14,3 cm breit, das mit tausenden anderer Trophäen von der Nippur Expedition der Jahre 1895-1896 in die University of Pennsylvania gebracht wurde. Katalogisiert und archiviert im Jahre 1909 als „INCANTATION 10673 (III exp.box 13) / 1750 v.chr.“

In Kolonne VI heißt es: „Ein Leben gleich einem Gott gaben sie ihm!“




kapitel 09 des romans: zcirkusDERwünsche / © krok & petschinka

Kurze Notiz für einen Artikel über krok, der in der ersten Nummer der von Emilio Cortés geplanten Zeitschrift GUERILLA SHOOTING erscheinen soll.

Zitat krok: „Ein Film von Jean Rouch über „VOODOO IN AFRIKA“ öffnet mir die Augen über mich als Maler. Jean Rouch führt Gespräche mit afrikanischen Medizin-Männern, die sich in Trance begeben und die in der Trance von ihren Göttern bestiegen werden - wie Pferde. Die geritten werden von ihren Geistern. Die sich durch die Trance bereitmachen für diesen Ritt. Für diese Kraft. krok.“



kapitel 13 des romans: zcirkusDERwünsche / © krok & petschinka

„KROK als die Sanfte“

Artikel über KROK. geschrieben von Anja Lourié - Kuratorin der Moskauer Galerie 17.
Dieser Artikel wird in der Zeitschrift GUERILLA SHOOTING erscheinen. (aus dem Französischen übersetzt von Julie Roq).

„Von allen Seiten überfällt mich das Gelärme der Dinge, die sich meiden, vereinen, in Stücke fliegen. Vergebens suchen meine Augen Ähnlichkeiten. Jede Stelle meiner Haut schreit eine andere Botschaft. Ich kentere im Nebel der Erscheinungen ..."

Das ist auf einen kleinen Zettel gekritzelt, der mit einem Reißnagel an der Tür zu seinem Atelier in der Rue Jules César gleich hinter der Neuen Pariser Oper befestigt ist. Ein Motto für den Besucher? Ein Hinweis, in welches Museum man eintritt?

Ich stelle mich Mitten unter die Bilder.
Dem ersten Blick bieten sich mannigfaltige Formen. Vor jedem Begriff scheinen sie zurückzuschrecken. Jeder Logik scheinen sie sich aggressiv zu verschließen.

In seinem Notizbuch steht:
„Man vermutet, dass das Bild eines Gegenstandes im Auge eines Menschen, im Auge eines Ochsen oder im offenen Auge eines Toten identisch sich abzeichnet."

Der zweite Blick - ein genauer, synthetischer, komponierender Blick - zeigt: Figuren, die grell hervorkreischen und trotzdem nicht erkannt werden wollen. Figuren, die damit beschäftigt sind, ihre Knochen zusammenzusammeln, weil sie einen Kampf verloren haben und zerstückelt wurden.

Ich habe ihn beim Malen beobachtet. Kaum drängt sich ihm eine Gestalt auf, treibt er sie mit wütenden Pinselstrichen in den Hintergrund. Als wollte er eine wiedererkennbare Manifestation einer Form nicht zulassen.
„Banal,“ sagt er „das ist banal!“
Und er rührt Farbe an und die Figur ist in einem strahlenden Orange ertrunken. Erst wenn die Figur an einem Punkt angekommen ist, wo sie ihn nicht mehr angrinst und ihm ihren Namen zuflüstert, ist er zufrieden. Wenn er sie bis zur Unkenntlichkeit entstellt hat, ist er ruhig.
„Dann erst,“ so sagt er „dann erst tritt die Emotion pur hervor. Dann erst ist der Betrachter nicht mehr abgelenkt von einem Reflex: schau eine Hyäne!“

In seinem Notizbuch steht: „Wenn ich tot bin, begrabt mich nicht, sondern nagelt meine Knochen an die Wand und schreibt darunter: das sind die Bestandteile einer ehemals heißen Maschine!"

Ich besuche ihn ein zweites Mal in seinem Atelier.

„Ein Gefühl manifestiert sich nicht immer in einer Figur,“ sagt er „oder in bekannten Gestalten und Archetypen: Elvis, Mao, Castro. Brocker, Matador, Flugzeugentführer. Es bleibt manchmal diffus. Man erlebt das ja. Eine fröhliche Stimmung bricht plötzlich um. Das Blitzblau ist von einem Moment zum anderen weg. Ein entsetzliches Ocker frißt den Himmel auf. Du kommst nach einer aufregenden Nacht betrunken ins Atelier zurück, hast einen „Fuck of the century“ hinter dir, und es erwarten dich der Staub, die Wäsche, das Geschirr, die Motten. Die Euphorie ist augenblicklich verschwunden!“
„Sie halten also in signifikanten Szenen den Atem an,“ sage ich, „reißen die innere Kamera vors Auge, drücken auf den Auslöser und in Ihrer Seele - wenn dieser uralte Begriff hier als eine Art qualvoller Widerspruch gestattet ist, in Ihrer Seele - jetzt müßte ein Vergleich mit Filmmaterial kommen und Dunkelkammer und was weiß ich alles - und dann gehen Sie ins Atelier, spannen eine Leinwand auf und belichten sie.“
„Schöne Illusion,“ sagt er. „Aber es geht ja nicht um direkte Abbildung. Und das Porträt des "Heimkehrers aus den blauen Himmeln der Euphorie" wäre selbstverständlich eine Paraphrase auf „Die Heimkehr der Jäger“ plus „Die große Nacht im Eimer!“ Und wieso sollte man sowas malen!“

In seinem Notizbuch steht: „Die Jugend, die sich an jedem Wochenende in Shinjuku versammelt, weiß offensichtlich, dass sie sich nicht auf einer Abschußrampe zum wahren Leben befindet, dass sie selbst Leben ist, zum sofortigen Verzehr bestimmt wie Johannisbeeren."

Jeder Maler entwickelt ein Repertoir an Formen notiere ich. Und wenn man die Bilder lange genug anschaut ...
„Keine Sorge,“ sagt er „das Rätsel KROK löst sich nicht in Nichts auf. Die Betrachtung meiner Bilder ist kein Schleiertanz. Kein Wind, der den Nebel vertreibt!“

Komposition. Das gesamte Bild im Auge haben. Ich der Betrachter.
Er sagt: „Komposition - das ist der große alte rostige Nagel, mit dem jeder Maler an das Kreuz der Tradition geheftet wird!“
„Nein,“ sage ich. „Davon rede ich doch nicht, wenn ich von Komposition spreche.“
„Aha,“ sagt er „Sie wollen, dass ich mich in meiner Arbeit über DEN Tatbestand, über die Grundtatsache belüge!“
„Und die wäre?“
„Die wäre: dass etwas Ganzes nicht auszumachen ist, etwas Zusammenhängendes. Etwas das Bestand hätte. Die Wirklichkeit ist zersplittert. Mein Kopf ist randvoll mit Einzelheiten, Ersatzteilen, Bruchstücken, Zitaten ...“
„Und weiter?!“
„Ich habe kein Zentrum, also auch keine Peripherie, also keine Perspektive, also alles gleichrangig nebeneinander!“
„Also Fläche!“ sage ich.
„Also Augenblicke, in denen Auflösung, Gier, Langeweile, Hunger, Todesangst, alles auf einmal, mehr oder weniger drängend ... da sind. Ich male Intensitäten. Ich male Zustände.“

In seinem Notizbuch steht: „Was kann einem Fisch, der bereits gefangen, gebraten und mit Soße serviert wurde, noch Böses zugefügt werden?"

Als ich das nächste Mal ins Atelier komme, hängt ein kleiner Zettel unter meinem Lieblingsbild. Darauf steht: " KROK als die Sanfte.“ Ausgerechnet die Figur, die ich bisher als einen aggressiven hervorspringenden oder sich in einer wilden Gebärde aus dem Dickicht herausdrängenden Affen gesehen hatte, sollte die Sanfte sein? Sofort vermute ich eine ironische Brechung.
„Nein,“ sagt er „keine Ironie. Ein kleiner Fingerzeig, was in mir vorgeht. Ich bin vielleicht bei meiner Wildheit noch gar nicht angelangt!“



kapitel 23 des romans: zcirkusDERwünsche / © krok & petschinka

krok betrachtet eine Äußerung des MALCOLM X vom 21.März 1964 als eine Studie zu einem Selbstporträt und signiert sie am 2.Mai 2000: „It was like a blinding light and I became aware, that he was in the room with me. He wore a dark suit and on his face I saw a pain so old and deep and black. I could scarcely look at him. I knew I was not dreaming. He was there. I said: „You one of them white bitches can't get enough black dick. Is that what you are?“


kapitel 28 des romans: zcirkusDERwünsche / © krok & petschinka

Abendessen.

Cortés, KROK plus Mitglieder des Tabaks-Kollegiums Basel. Cortés präsentiert bei einem Kaninchen-Emincé auf süßer Kartoffel mit Shitake-Pilzen und Lauchzwiebeln ein ready-made über KROK:
„ihm gelingt dabei, statt der üblichen monologe über rue corridor als primäres element des kompakten stadtraums und über objet trouvé als primäres element des diffusen stadtnebels unter formal-perzeptivem aspekt einen dialog aufzuspannen und diesen schlüssig zur malerischen konzeptidee zu entwickeln!“ Und gleich ein zweites, etwas populäreres, nachgereicht: „so bizarr uns auch seine spiele erscheinen mögen, in ihnen offenbart sich in lettern aus feuer der mythos, in dem die vierfache tragödie unserer zeit sichtbar wird: der gordische knoten der interferenzen zwischen machinisme, terreur, érotisme und religion!“